Werner Mauss in der Internationalen Presse  

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Guerilla wünscht weitere Schlichtung durch

Ehepaar Mauss

Wochenspiegel   07.10.1998

Mario Zender  

ELN erwartet von neuer Regierung Schröder auch weiterhin Unterstützung im Friedensprozess / WOCHENSPIEGEL sprach mit ELN-Vize Garcia

 

Kreis. „Wir haben gegenüber der ELN alles getan, was in unserer Möglichkeit stand, um zu erreichen, dass der Senator Espinosa Fasciollince heil und gesund zurückkam“. Werner Mauss (57), Sagen umwitterter Geheimagent aus dem Hunsrück hat von Deutschland aus im Hintergrund die Strippen gezogen, in einem Entführungsfall, der vor einigen Tagen zur Freilassung einer prominenten Geisel in Kolumbien führte.

Die Nationale Befreiungsarmee (ELN) hatte den kolumbianischen Ex-Parlamentpräsidenten und jetzigen Senator für Friedens-Angelegenheiten, Carlos Espinosa, entführt und im Dschungel gefangen gehalten. Begründet wurde von der ELN diese Entführung mit der Forderung, dass die Massaker (in neuen Monaten 408 Massaker mit über 1.600 Ermordeten) beendet und die Todesschwadronen des Militärs von der Regierung gestoppt werden.

 

Die ELN, die die Verhandlungsgeschicke und die Erfahrung sowie das Engagement von Werner Mauss schätzt, forderte die kolumbianische Regierung auf, den Hunsrücker als Verhandlungsführer einzusetzen.

Kolumbiens Präsident Pastrana bat daraufhin die Bundesregierung um Hilfe. Kanzleramtsminister Schmidtbauer rief Mauss im Hunsrück an und bat ihn, sich für die Freilassung des Entführten einzusetzen.

Mauss sagte sofort zu. Warum, wollen wir von dem Agenten wissen? „Kolumbien und insbesondere die Menschen sind mir und meiner Frau seit Jahren ans Herz gewachsen. Das Land braucht endlich den Frieden. Fast täglich werden dort Massaker verübt, sie können sich nicht vorstellen, wie brutal und menschenverachtend dort Bürger regelrecht abgeschlachtet werden“.

 

Der Mann, der in der Vergangenheit Schwerverbrecher jagte und diese hinter Schloss und Riegel brachte, vermittelt seit 1996 unter Einsatz seines Lebens in einer Sondermission in Kolumbien für den Frieden. In den letzten Wochen gingen die Verhandlungen zwischen der Guerilla und der Regierung intensiv um die Freilassung des entführten Senators. Nach nur acht Wochen, für kolumbianische Verhältnisse eine sehr kurze Zeit, wurde der Entführte freigelassen.

 

Über Funkverbindungen steuerte der 57jährige Mauss die Freilassung und Übergabe des Senators. Der erschöpft aber überglücklich seinem Bruder in die Arme fiel. Der Hunsrücker Mauss („ich stelle mich vor die von Massaker gebeutelte Zivilbevölkerung“) arbeitete gemeinsam mit der ELN und dem Friedensbeauftragten des Präsidenten, Victor G. Ricardo einen 14-Punkte-Forderungplan aus, der von der kolumbianischen Regierung mittlerweile unterschrieben wurde. Darin sollen die Konfliktparteien vereinbaren, dass keine Massaker von so genannten Todesschwadronen mehr durchgeführt werden, die Massaker des Militärs untersucht und die Täter vor Gericht gestellt werden. Im Gegenzug verpflichtet sich die ELN, keine weiteren Geiselnahmen mehr durchzuführen. Als erstes „Zeichen des guten Willens“ ließ die ELN den entführten Senator frei. Wie Agent Mauss in einem Gespräch betont, habe ihm die kolumbianische Regierung nach einer viertägigen Verhandlung in Deutschland mit Victor G. Ricardo zugesichert, dass sie sich an die Forderungen des 14-Punkte-Abkommens halten werde. Aufgrund von Mauss Vermittlungen konnte der WOCHENSPIEGEL vergangene Woche mit dem Vizechef der ELN, Antonio Garcia sprechen. Garcia wies auf die Erwartung der ELN an die neue Deutsche Bundesregierung hin. „Wir hoffen, dass der zukünftige Bundeskanzler Schröder den eingeschlagenen Weg der Unterstützung des Friedensplanes weiter verfolgt.“

 

Der Vize-ELN-Chef lobte die ausgezeichnete Verhandlungsführung und Unterstützung von Werner Mauss und dessen Ehefrau Ida (37). Er schildert in dem 45minütigen Gespräch auch, wie grausam die Massaker ablaufen. „Regimekritiker werden von den Paramilitärs aus den Häusern getrieben, mit Maschinengewehrkugeln durchsiebt, oder mit Zuckerrohrmacheten aufgeschlitzt“. Das unmenschliche und barbarische Vorgehen der Paramilitärs seit mit den Morden und Folterungen während der NS-Zeit in der Bundesrepublik zu vergleichen.

 

Und zum Abschluss des Gespräches mit dem WOCHENSPIEGEL bittet er: „Wir brauchen die Hilfe von Deutschland. Ihre Politiker müssen Druck auf die Kolumbianische Regierung ausüben, dass hier endlich die Menschenrechte geachtet werden. „Ohne den internationalen Druck ändert sich hier nichts, und viele unschuldige Menschen müssen sterben“ so der Vize-Chef der ELN, Antonio Garcia.

Das Hunsrücker Ehepaar Mauss will im Friedensprozess weitermachen: „Wenn man der Meinung ist, dass wir in Zukunft irgendwas für den Friedensprozess tun können, so sind wir gerne bereit zu helfen“....
 


Mit freundlicher Genehmigung des Wochenspiegel SW Verlages
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