Werner Mauss in der Internationalen Presse  

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Mannheimer Morgen

Mannheimer Morgen, 5. Februar 1992, Seite 1


Schickte der Juwelier den Killer?
Mordprozess in Istanbul / Neue Spuren im Fall Düe


von unserem Redaktionsmitglied Martin Tangl


Hat der Juwelier René Düe im Oktober 1981 den Überfall auf sein Geschäft in Hannover doch selbst inszeniert? Ein Mord-Prozess in Istanbul lässt den spektakulären Fall nach über zehn Jahren in einem neuen Licht erscheinen.

Vor Gericht schilderte jetzt der Angeklagte Yildozsoy Aydin den Raub aus 1981 in allen Einzelheiten und sagte aus, Düe habe ihn als Killer für seinen damaligen Komplizen Avan Nevzat angeheuert, weil dieser auspacken wollte.

Er habe dann seinen Freund am 20. März 1991 in einem Hotel in Istanbul erdrosselt.

Schon 1981 waren die beiden Türken verdächtigt worden, im Auftrag Dües den Überfall verübt zu haben. Doch der Raub wurde nie aufgeklärt. Düe mangels Beweisen 1989 frei gesprochen.

Vom Diebesgut im Wert von 12 Millionen Mark fehlt bis heute jede Spur.

Gegen Aydin ist jetzt Strafantrag gestellt worden.

Weil der Angeklagte nach der Tat zuerst andere Aussagen gemacht hatte beschloss das Gericht Ende letzter Woche, die Zurechnungsfähigkeit des Täters feststellen zu lassen.

 




Mannheimer Morgen, 5. Februar 1992, Seite 10


Hatte Düe den Killer bestellt?

Neue Anschuldigungen gegen den Hannoveraner Juwelier kommen aus der Türkei

von unserem Redaktionsmitglied Martin Tangl


Nimmt der Fall Düe eine überraschende Wende? Zwei Männer hatten am 31. Oktober 1981 sein Geschäft überfallen. Vor Gericht in Istanbul sagte jetzt ein mutmaßlicher Täter, Yildiszoy Aydin (34), er habe im März 1991 im Auftrag Dües seinen damaligen Komplizen Avan Nevzat (27) ermordet.

Das erfuhr unsere Zeitung aus der Türkei.

Zusammen sollen die beiden Männer aus der Türkei das Juweliergeschäft des heute 45jährigen René Düe in dessen Auftrag überfallen haben. Der Raub wurde nie aufgeklärt.

Doch im vergangenen Jahr wollte Nevzat auspacken. Da schlug ihn der Killer in einem Hotel in Istanbul nieder, erdrosselte ihn und nähte ihm die Lippen zu.

Dafür habe ihm Düe 225.000 Mark bezahlt, sagte Aydin jetzt in Istanbul aus, wo er sich zur Zeit vor Gericht verantworten muss.

“Während ein Türke im Grab liegt und der andere im Gefängnis sitzt, befindet sich der deutsche Juwelier in Freiheit“, kritisiert der Anwalt des Ermordeten, Aydin Coser, in Istanbul.

Der Fall Düe hatte in den 80er Jahren Schlagzeilen in der Bundesrepublik gemacht.870 Tage saß der Juwelier in Haft weil er im Verdacht stand, den Überfall selbst inszeniert zu haben. Im März 1989 sprach in das Landgericht Braunschweig frei.

Vom kostbaren Diebsgut im Wert von rund  zwölf Millionen Mark fehlt bis heute jede Spur.

Doch die Auseinandersetzung vor Gericht geht weiter. Die Mannheimer Versicherung, bei der Düe versichert war, will den Schaden nicht zahlen.

Das Unternehmen hatte damals bei den Landes- und Bundeskriminalamt hoch im Kurs stehenden Privatdetektiv Werner Mauss auf Düe angesetzt.

Ein Freispruch mangels Beweisen sei kein Beweis für die Unschuld, argumentierte die Versicherung noch heute.

Die Aussagen im Mordprozess in Istanbul könnten jetzt das Zögern der „Mannheimer“ rechtfertigen. Aydin und Nevzat waren schon 1981 nach dem Raubüberfall als Verdächtige festgenommen worden.

Die Staatsanwaltschaft konnte den beiden aber die Tat nicht nachweisen. Doch im Laufe der Jahre soll Nevzat seiner Familie haarklein die Geschehnisse vom Oktober 1981 erzählt haben.

Vater und Bruder treten jetzt als Nebenkläger auf. Sie berichteten, Avan Nevzat habe auf ein Angebot der Staatsanwaltschaft Hannover reagieren und als Kronzeuge gegen Düe und seinen Komplizen aussagen wollen.

Daraufhin habe Aydin über Mittelsmänner von Düe den Mordauftrag erhalten und seinen Freund aus einem türkischen Dorf nach Istanbul gelockt. Der Angeklagte sagte vor Gericht, er und sein Opfer hätten sich am 20. März 1991 im Hotel getroffen. Nach einem Schlag mit dem Schraubenschlüssel habe er seinen einstigen Freund erwürgt.

Von Zweifeln getrieben und beim Gang ins Hotel von Zeugen beobachtet, will er sich gleich nach der Tat der Polizei gestellt haben. Erst behauptete er, sein Kumpel habe ihn beleidigt, er habe ihn anschließend im Streit umgebracht.

Im Oktober 1991 revidierte er seine Aussage und erzählte die Düe-Geschichte. Jetzt drohen ihm 24 Jahre Haft.

Bei der Staatsanwaltschaft in Hannover und bei der Mannheimer Versicherung ist die Killer-Story mittlerweile bekannt. Beide wollten aber im laufenden Verfahren keine Aussagen machen.

„Ich habe den Eindruck, dass sich da etwas entwickelt“ erklärte Herwig Springer von der Rechstabteilung der „Mannheimer“ gestern gegenüber unserer Zeitung: „Wir verfolgen das mit Interesse aus der Ferne“.

Die Behörde in Hannover erklärte, Düe sei rechtskräftig freigesprochen, für den möglichen Mordauftrag seien die Behörden am Tatort – also in Istanbul – zuständig.



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